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Gerd Lawitzky

Zuckerbäckermeister Zwickel

Der Zuckerbäckermeister Zwickel
ist ein herzensguter Mann,
der keinem Menschen oder Tierchen
bös sein oder weh tun kann.

Ob groß, ob klein, er liebt sie alle,
hassen tut er nur Gewalt -
und schnöde Schnorrer und Gesockse,
das nichts kauft und nichts bezahlt.

Hausierer, Bettler und Schmarotzer
weist er eisig gleich hinaus,
und was da kriecht und fliecht und brummelt
ist ihm wirklich kalter Graus.

Der Zuckerbäcker zuckt zusammen,
wenn er eine Wespe sieht.
Er fuchtelt mit der Fliegenklatsche,
bis das Viehzeug sich verzieht.

Es wurmt ihn, wenn ein blöder Brummer
einfach seinen Kuchen klaut.
Und auch der Kunde kann´s nicht leiden,
wenn der Zuckerguß versaut.

Und will die Wespe weiternaschen,
schlägt der Zuckerbäcker zu!
Doch diesmal ist die Wespe schneller
und gibt weiter keine Ruh´.

Dort auf der hohen Hochzeitstorte
schleckt sie Schokocreme mit Rum.
Sobald der Zuckerbäcker zuschlägt,
fliegt sie weiter mit Gebrumm.

Ancheinend mag sie Honigkuchen,
nur der Bäcker mag das nicht.
Er drischt drauflos in blindem Eifer
und zermanscht ihr Leibgericht.

Dann haut er auf die Schweineohren,
wo sie knabbert mit Genuss.
Der ganze Blätterteig zerdeppert
und der Bäcker schreit laut: "Schluss!"

"Jetzt ist gleich Schluss mit süß und lustig,
du verkaufst mich nicht für dumm!
Wie soll ich das hier noch verkaufen?
Wespe, deine Zeit ist um!"

So wütend wie ein wilder Eber
prügelt er jetzt auf sie ein,
bis alle Hochzeitstorten nieder
und die Kuchen kurz und klein.

Die Tür geht auf, ein Kunde kommt, er
sieht das wüste Angebot.
Er dreht sich um und flieht verwirrt und
kauft noch nicht einmal ein Brot.

Stattdessen strömt ein Dutzend Wespen
durch die Tür, die offen steht.
Es zieht sie zu dem Kuchenchaos,
wo ein süßer Duft herweht.

Der Zuckerbäcker zuckt zusammen,
gleich zwölf Mal, er glaubt es kaum:
Gar zwo, vier, sechs, acht, zehn, zwölf Viecher
flirren freudig durch den Raum.

Sie landen auf der Sachertorte,
löffeln liebevoll Bisquit,
sie kriechen in den Dresdner Stollen,
nehmen auch den Mohn gern mit.

Der Bäcker fasst die Klatsche fester,
säbelt mächtig durch die Luft,
und zwölf Mal ruft er siegessicher:
"Da, jetzt hab´ ich dich, du Schuft!"

Doch zwölf Mal haut er weit daneben,
alle Zwölfe stürzen sich
auf die jetzt ganz zermanschte Pampe
und genießen königlich.

Der Zuckerbäcker mag nicht anseh´n,
wie die Viecher sich da freu´n.
Er wirft die Fliegenklatsche weg und
flucht: "Das werdet ihr bereu´n!"

Er greift zu einer Dose Sprühgift
mit drei Fliegen auf dem Schild.
Voll Ingrimm drückt er auf das Knöpfchen
und besprüht das Vieh wie wild.

Seht nur, wie jetzt die Zossen zappeln,
zucken in der Todesqual.
Und wie der Zuckerbäcker lächelt:
"Tja, ich krieg euch allemal!"

Der Zuckerbäcker zuckt zusammen,
weil die Tür schon wieder geht:
"Nein, Kunden kann ich jetzt nicht brauchen,
denn ihr seht, wie´s um mich steht!"

Jedoch der Herr da ist kein Kunde,
nein, er sagt, woher er stammt:
"´nen schönen Tag! Gestatten: Meier,
Lebensmittelaufsichtsamt!"

Herr Meier öffnet seinen Koffer,
zieht drei Instrumente raus.
Die steckt er in die Kuchenreste
und zieht gleich die Stirne kraus.

"Mein lieber guter Meister Zwickel,
tja, was haben wir denn da?
Das darf doch alles wohl nicht wahr sein!
Das muss ich melden, das ist klar!"

"Ja, was denn, wie denn?" stammelt Zwickel,
"Soll ich die Wespen überseh´n?
Die hier so meinen Kuchen kauen?
So, als wäre nichts gescheh´n?"

"Na ja, zuviel Chemie im Kuchen,
das ist allzuoft normal.
Doch zuviel totes Tier in Torten
ist in diesem Fall fatal!"

Der Zuckerbäcker zuckt zusammen,
als er Prüfer Meier hört,
der sein solides Bäckerhandwerk
mehr als tausend Wespen stört.

Tief fasst er in die Tortenpampe,
zwei Hände voll, zwei Kilo schwer,
und schmeißt sie auf des Prüfers Schädel.
"Mit Fleischbeilage, bitte sehr!"

Der Tortenprüfer zuckt zusammen,
spürt gleich, dass das Vieh noch zuckt,
und brüllt als wie am Spieß gebraten,
weil es plötzlich sticht und juckt.

Den Bäckermeister juckt das wenig,
er holt aus zum nächsten Schlag.
Ein bisschen Sacher, etwas Hochzeit,
jedem so, wie er es mag.

Die Tür geht auf, zwei Uniformen
fragen, was der Unsinn soll.
Der Prüfer duckt sich augenblicklich,
zwei Uniformen kleckern voll.

"Was soll denn das?!" fragt ein Beamter,
peinlich wischend am Revers.
"Wer schmeißt denn hier mit Schokocreme? Heh,
Sie in Weiß, komm´ Se ma´ her!"

Indes der Prüfer, gar nicht feige,
greift sich eine Tüte Mehl.
Die schmeißt er Richtung Bäckermeister
und ruft: "Nimm! Bei meiner Seel!"

Der Bäckermeister wird noch weißer,
nur sein Kopf wird puterrot.
Er schnappt den platten Honigkuchen:
"Da, nimm dies als Abendbrot!"

Doch wieder war der Prüfer schneller,
duckt sich zeitig aus der Bahn.
Nur die Beamten trifft der Honig
und klebt fest, woran er kann.

Die beiden Grünen schau´n betroffen
auf ihr klebriges Jackett.
Der eine ruft ins Funkgerät, der
and´re ruft: "Das mach ich wett!"

Dort aus der Auslage am Fenster
holt er einen Hefezopf.
Er biegt sich wie ein Baseball-Spieler,
trifft den Bäckersmann am Kopf.

Der Zuckerbäcker zuckt nur kurz, holt
Muniton aus der Vitrine.
Zwei Handvoll edelstes Gebäck,
Vanillecreme mit Mandarine.

Die Antwort kriegt der Fachkollege,
dessen Funkgerät versaut.
Doch der ergreift zwei Mohrenköpfe,
die er Richtung Bäcker haut.

Die Schlacht entbrennt, die Torten fliegen,
was werfbar ist, setzen sie ein.
Kaum ist noch Material zu kriegen,
jeder sieht aus wie ein Schwein.

Da geht die Tür, ein Schlauch taucht auf, und
plötzlich prasselt Wasser nieder.
Ein starker Strahl erwischt ein´ Jeden,
bedröppelt schauen alle nieder.

Sie stehen alle wie beklommen,
auch der Chef der Feuerwehr.
Nur der Beamte mit dem Handy
fragt "Wo kommen Sie denn her?!"

"Wie?!" wundert sich der Feuerhauptmann.
"Falscher Alarm? Ta tüü ta taa!
Es hieß, es brennt, es juckt und stinkt! Und
wenn es brennt, dann sind wir da!"

"Tja! Brennen taten nur die Augen",
meint der Grüne mit dem Funk,
"und jucken nur die Wespenstiche.
Mit dem Bäcker gab es Stunk!"

"Mit mir!?!?" ruft Bäckermeister Zwickel,
"Ich bin ist ein herzensguter Mann,
der keinem Menschen oder Tierchen
bös sein oder weh tun kann.

Ob groß, ob klein, ich lieb´ sie alle,
hassen tu´ ich nur Gewalt -
und schnöde Schnorrer und Gesockse,
das nichts kauft und nichts bezahlt.

Hausierer, Bettler und Schmarotzer
weis´ ich eisig gleich hinaus,
und was da kriecht und fliecht und brummelt
ist mir wirklich kalter Graus."

"So kalt, dass er sie kalt vergiftet!"
mischt sich Prüfer Meier ein.
"Besprüht er gleich die armen Viecher!
Fleischbeilage muss nicht sein!"

"Ich muss schon bitten!" mahnt Herr Zwickel,
"Und ich auch!" der Polizist,
"Und ich erst recht!" der Feuerhauptmann,
"Sagt, was vorfallen ist!"

Der Zuckerbäcker zuckt die Schultern,
die Polizisten sowieso,
der Prüfer Meier schaut verlegen,
"Tja", murmeln sie unisono.

"Nun ja, ich zucke stets zusammen",
gesteht der Bäcker endlich ein.
"Sobald ich eine Wespe sehe,
hau ich mich der Klatsche drein!

Es wurmt mich, wenn ein blöder Brummer
einfach meinen Kuchen klaut.
Und auch der Kunde kann´s nicht leiden,
wenn der Zuckerguß versaut..."

Und die Geschichte dauert lange,
alle sind davon gerührt.
Das nützt dem Zuckerbäcker wenig,
schließlich wird er abgeführt.
 



     


 

 
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