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Gerhard Lawitzky

Der Herr der Namen      

1 Der Name der Chose

Rechtzeitig zur Sommerknabbersaison sollte der neue Schokoriegel an die Kassen und Kioske kommen. Wenn die Schwimmbäder überfüllt wären, die Jugend reichlich Freizeit hätte und die Hitze keinen rechten Appetit auf etwas Richtiges aufkommen ließe, dann würde Hochkonjunktur herrschen für den schmackhaften Schnickschnack zwischendurch.

Alles war bestens vorbereitet. Schon vor Weihnachten hatte die einzigartige Mixtur aus Schokolade, Nougat, Nüssen und Karamel die letzten Geschmackstests bestanden. Zu Ostern war endgültig über die noch entscheidendere Verpackung entschieden worden, eine äußerst augenfällige Mischung aus Blau, Braun, Beige und Burgunderrot.

Aber mittlerweile war bald Pfingsten und noch immer kein geeigneter Name gefunden, der das Produkt auch akustisch von den 249 konkurrierenden Riegeln am Markt abhob und der führenden Firma für Feiertagsnaschwerk endlich dazu verhalf, ihr sortimentsbedingtes Sommerloch zu stopfen.

Der Vorstandsvorsitzende der Vereinigten Osterhasen-, Nikolaus- und Weihnachtsmännerwerke, börsenamtlich kurz VONWeih AG, tobte höchstpersönlich vor seinen versammelten Vertriebs-, Werbe- und Marketingmanagern wie ein Heinzelmännchen und verlangte Resultate.

"Ergebnisse will ich sehen, meine Herren", schnauzte Dr. Schlenderhannes seine Spitzenchargen an. "Entschuldigungen kann ich mir selber ausdenken! Sie haben ein Riesenbudget... Sie haben hochbezahlte Kräfte... Sie haben hervorragende Kontakte... Und Sie haben immer noch keinen Namen! Wir brauchen diesen Namen aber so dringend wie der Teufel das Weihwasser!"

"Sicher...", warf Marketingchef Schlindwein unsicher ein, aber Schlenderhannes fuhr ihm unsanft über´s Maul: "Und zwar einen Namen, der im Ohr schmilzt und dort haften bleibt wie unser Produkt am Dingsda, na..., am Zahnschmelz!"

Die Umsitzenden nickten ergeben, nur Schlindwein versuchte vergebens, sich per Zeigefingerzeig von Chefsekretärin Schlehdorn auf die Rednerliste setzen zu lassen, während Schlenderhannes weitertobte.

"Schmelz und Charme muß dieser unser Name ausstrahlen wie..., wie ein Ohrwurm von Roy Black! Er muß klingen, er muß singen, er muß springen, vom Ohr direkt ins Hirn, oder besser noch ins Herz, und dort kleben bleiben wie unser Produkt am..., am..., na, Sie wissen schon. Er muß sich dort einnisten und 249 andere Riegelnamen verdrängen!"

Endlich nickte Schlehdorn Schlindwein zu und griff nach dem Bleistift auf dem Pult, aber Schlenderhannes war schneller. Wie ein Dirigent fuhr er damit durch die Luft und untermalte jedes einzelne Wort auch optisch: "Bis–dieser–unser–Name–für–den–Schokoriegel–an–sich–steht. So wie ´Persil´ für Waschpulver! So wie..., wie ´Spüli´ für Spülmittel! Wie ´Tipp-Ex´ für Tippfehlerteufel! Wie ´Tesa´ für Tesafilm! Wie..."

"Gutes Beispiel!" grinste jemand breit am schmalen Ende des langen Tisches.

"Wie bitte?" Schlenderhannes ließ den Bleistift fallen und blickte irritiert nach hinten.

"Ach, nichts!" zuckte ein Jüngling aus der Garde der Nachwuchsstrategen seine schmächtigen Schultern.

"Na, na, nur zu!" ermunterte Schlenderhannes mit forderndem Fingerwippen wie ein Fußballtrainer vor dem finalen Vorstoß.

"Ich meinte nur...", sagte der Schmächtige zögernd. "Imposant impersonifiziert, diese Identifikation von Image und Inhalt!"

"Wie meinen??"

"Ich meine, ähm, das war ein äußerst plastisches Beispiel dafür, wie ein erfolgreicher Markenname oft an einer ganzen Produktgruppe haftet wie..., wie ´Tesa´ an der..."

"Will ich doch meinen!!" dröhnte Schlenderhannes mit unbeeindruckter Miene. "Und genauso muß unser Produkt über kurz oder lang am Gaumen haften, ich meine, den Schokoriegel an sich personifizieren und am Riegelmarkt eine Rolle spielen wie ´Tesa´ in der Filmbranche! Und deshalb muß sein Name per se mit Knabberspaß identifiziert werden wie..., wie ´Duden´ mit Rechtschreibung! Wie ´Brockhaus´ mit Wissensdurst! Wie ´Baedeker´ mit Reiselust!"

Begeisternd nickende Zustimmung brandete reihum wie "La ola" in der Arena, bis sie an der kummervoll starren Miene Schlindweins brach.

Mir einem leicht irritierten Seitenblick auf seinen Marketingchef fuhr Schlenderhannes fort: "Bei allen Kümmernissen des Alltags muß der allererste Griff der zu unserem Riegel sein! So wie bei Babyplagen zu ´Pampers´. Wie bei Pubertätsproblemen zu ´Clearasil´. Wie bei Weibersorgen zu ´o.b.´. Wie..."

"Ähem!" ließ Chefsekretärin Schlehdorn sich dezent vernehmen.

"Wie?" forschte Schlenderhannes nach dem neuerlichen Unterbrecher. Schlehdorn schnappte sich wieder ihren Bleistift und schwieg.

"Ach so", murmelte Schlenderhannes und fuhr fort: "Unser Name muß sich also so durchgreifend durchsetzen, daß man bei jeglichem Anfall von Lust oder Frust unweigerlich zu unserem Riegel greift. So wie beim Pannenfall zum ´ADAC´-Ausweis! Wie beim Streitfall zur ´Advocard´! Wie beim Schmachtfilm zum ´Tempo´-Tuch! Wie beim Schmutzfilm zur ´Kleenex´-Rolle! Wie..."

Schlehdorn stieß ihn mit dem Bleistift in das wie persilweiße Oberhemd.

"Wie?" drehte sich Schlenderhannes irritiert zu ihr um.

Sie wies mit dem Stift auf Schlindwein: "Wir haben da eine Wortmeldung!"

"Ach so", sagte Schlenderhannes und setzte sich. "Bitte: Wenn´s der Namensfindung dient!"

Schlindwein zupfte nervös an seinem nicht mehr ganz persilweißen Kragen und erhob sich. "Herr Dr. Schlenderhannes! Entschuldigen Sie bitte, aber Entschuldigungen sind nicht unser Metier! Und wir verstehen unser Metier... Wir haben wirklich alles versucht! Aber der Markt ist wie leergefegt..."

Schlenderhannes erhob sich wieder mit hochrotem Kopf: "Das wagen Sie mir zu sagen? Der Markt ist leergefegt? Der Markt wimmelt doch nur vor Namen wie ein Ameisenhaufen beim Picknick, ich meine, wie ein Picknick beim Ameisenhaufen. Und jede Woche kommen drei Dutzend neue hinzu! Wenn Sie, mein lieber Schlindwein, meine verehrten Mitarbeiter, bei den Werbeeinblendungen nicht immer wegzappen oder wegnicken oder pinkeln gehen oder Bier holen würden, dann wären Sie sich dessen bewußt!"

Befriedigt betrachtete er die sinkenden Köpfe seiner Subalternen.

"Allein der Riegelmarkt", fuhr er mit hochgerecktem Zeigefinger fort, "ist vollgestopft mit Namen wie ein verstopfter Teenager mit Schokolade! Und um unser seit 1888 anhaltendes und immer drängenderes Sommerloch zu stopfen, müssen wir in ihn eindringen wie ein läufiger Stier in eine..."

Schlehdorn stupste ihm wieder mit dem Bleistift zwischen die Rippen.

"Wie bitte?"

"Es heißt: ´Läufige Kuh´!" raunte Schlehdorn.

"Wollte ich doch sagen!" rief Schlenderhannes. "´In eine läufige Kuh´!"

"Sie sagten aber ´läufiger Stier´!" "Ja und?" "Das Bild!" "Das Bild? Was ist mit dem Bild. Das Bild ist doch plastisch! Direktemang 3 D! Ich sehe es fast vor mir, wie..."

Der Bleistift an den Rippen unterbrach ihn erneut: "Ich wollte nur sagen: Der Vergleich hinkt! Ein Stier ist nicht läufig." "Nicht?" "Nein!" "Na ja, ich meine... Na, Sie wissen schon, was ich meine!"

"Ich meine", meldete sich Schlindwein wieder zaghaft zu Wort, "der Markt der Riegel mag sicherlich vollgestopft sein mit Namen wie ein..., na, Sie wissen schon. Aber der Markt der Namen ist in letzter Zeit so leergefegt wie..., wie..."

"Wie was?!" zogen sich Schlenderhannes´ Brauen finster zusammen.

Schlindwein schrumpfte einige Zentimeter und schwieg.

"Wie die Straßen beim WM-Finale?" scholl es hilfreich von den hinteren Rängen.

"Genau!" nickte Schlindwein erleichtert.

"Oder wie ein Stadion von Abstiegskandidaten", sprang ihm ein anderer Abteilungsleiter kollegial zur Seite.

"Richtig", bestätigte Schlindwein dankbar.

"Oder wie ein Pub nach elf Uhr abends!" tönte es belustigend aus dem Mittelbau.

"Sicher..." wehrte Schlindwein mit erhobenen Handflächen ab wie ein Moderator einer überbordenden Bekenntnisshow. Aber jetzt war die monatelang geknechtete Mannschaft nicht mehr zu bremsen.

"Oder wie ein Spesenkonto nach der Frühjahrsmesse?" "Gut gegeben!" tönte es aus dem Oval. "Wie ein Spekulantenkonto vor der Steuerfahndung!" "Wunderbar!" "Wie ein OP vor einer Herztransplantation?" "Wie?" "Oh, oh, schwach!" "Gelbe Karte!" dröhnte es von allen Ecken und Enden.

"Oder wie unsere Vertriebs-, Werbe- und Marketingabteilungen Punkt fünf Uhr abends?" Triumphierend ließ Schlenderhannes seinen Blick über die geknickten Köpfe seiner Untergebenen schweifen. "Hier im Hause fällt ja keinem etwas ein, außer Srüche zu klopfen und rechtzeitig Feierabend zu machen! Und draußen auf dem Markt ist nichts zu holen!? Der Markt der Namen ist leergefegt? Meine Damen und Herren! Meine Herren..." verbesserte er sich.

Die Ellenbogen in die Hüften gestemmt, streckte er die nach oben gedrehten Unterarme von sich und rieb die Finger gegen die Daumen wie Otto Rehagel bei der zum x-ten Mal vergeblich versuchten Erläuterung der Viererabwehrkette.

"Meine Herren! Namen sind doch auch nur Produkte. Und Produkte kann man kaufen! Und Produzenten für alles, was am Markt gefragt ist, gibt es doch wie Sand am Meer. Wie Regen in der Traufe. Wie Eulen in Athen. Wie Samen in der..."

"Spermabank?" "Hochzeitsnacht?" "Züchterbörse?" "´Kleenex´-Rolle?" Wie Gischt am Kai spritzten die Ideen der versammelten Vertriebs-, Werbe- und Marketingmanager in Richtung Chef, der dazu grinsend nickte, bis Schlehdorn mit ihrem allseits gefürchteten Bleistift auf den Tisch klopfte und trocken erklärte: "Erster und einziger Tagesordnungspunkt ist heute die Namensfindung für unseren Schokoriegel!"

Schlenderhannes murmelte in die einkehrende Ruhe: "Na also, meine Herren, es geht doch! Manchmal fällt Ihnen tatsächlich noch etwas ein." Und mit einem Seitenblick auf Schlehdorns spitzen Bleistift: "Auch wenn es hie und da etwas an ´Clearasil´ gemahnt!" Betreten ließen die Versammelten die Köpfe hängen.

"Aber Schwamm drüber", beschwichtigte er die traurige Schar der ihm Anvertrauten. "Was ist denn mit Schlenker, Schöffel und Schwartau? Die hatten doch immer was auf Lager! Ich denke da nur an ihr immens erfolgreiches ´Glibby´ für diesen Gummibärchenproduzenten..."

"Sind seither wie ausgelaugt", winkte Schlindwein müde ab. "Für Süßigkeiten fällt denen nichts mehr ein, was einem nicht sofort die Magensäure hochtreibt wie ein Fäkalausdruck bei einem..., bei einem..."

"Philharmoniekonzert!" "Festbankett!" "Vorstellungsgespräch!" "Feierabendfick!" Die Kollegen waren wieder bester Laune.

"Schon gut, schon gut, meine Herren", mahnte Schlenderhannes. "Auf manchen Randgebieten scheint Ihre Phantasie ja hervorragend zu funktionieren. Aber was ist mit Schroeder, Schwamm und Schwerzina? Die sind doch äußerst kreativ und..."

"Arbeiten nur noch für Autos", wandt Schlindwein ein. "Seit ihrem ´Modesta´ für diesen spartanischen Kleinwagen rennen ihnen die Hersteller die Türen ein wie ein, ein..."

"Läufiger Stier!" "Läufiger Stier!" "Läufiger Stier!" hallte von den Tischen der gepiesackten Unterchefs und Hiwis, bis Schlehdorn zu ihrem Bleistift griff, ihn wie gedankenverloren zwischen Daumen und Zeigefinger gleiten ließ und plötzlich betretene Ruhe eintrat.

"Wie auch immer", merkte Schlenderhannes trocken an. "Und was ist mit Scharp? Scharp hat noch immer was gewußt. Der konnte sogar der NASA wieder auf die Sprünge helfen, als denen drei Raumfahrtprogramme hintereinander buchstäblich geplatzt sind! Der hat die nächste Fähre einfach ´Euphoria´ tituliert, und schon war wieder Stimmung im Lande. Und in der Luft, respektive im luftleeren Raum! Schon haben die Leute wieder Satelliten gebucht, und vorsorglich sogar private Abenteuerfahrten in den Orbit."

Es herrschte Stille im Saal. Schlindwein zupfte still und unschuldig an den wie persilweißen Ärmeln seines Hemdes. Schlehdorns Bleistift stand still wie ein Pleuel nach einem Kolbenfresser. Nur am hinteren Tischrand, wo die Chargen der Unterchefs kauerten, murmelte jemand halblaut: "´Orbit´. ´Orbit ohne Zucker´!"

"Waaas?" rief Schlenderhannes irritiert in den Raum. "Ohne wasss? Wer war das?"

Es war wieder dieser Jüngling mit den schmächtigen Schultern. Der rückte sich den schlechtsitzenden Schlips zurecht und wiederholte: "Ohne Zucker. ´Orbit ohne Zucker´!"

"Wie kommen Sie jetzt darauf?"

"Sie hatten das Thema angesprochen! Und ´Orbit´ war der beste, der durchschlagendste Name seit ´Modesta´ und ´Persil´."

"Das stimmt!" gab Schlenderhannes ohne weiteres zu. "Aber ohne Zucker kommt bei uns ja überhaupt nicht in die Tüte! Zucker ist bei uns alles! Zucker ist unser Hauptbestandteil. Alles andere ist nur dazu da, den Zucker an die Zähne, ich meine, die Ware an den Mann zu bringen! Die Beimischung, der Beigeschmack, die Verpackung. Und natürlich und vor allem: Der Name. Haben Sie einen Namen?"

"Eigentlich nicht", sagte der Schmächtige nachdenklich. "´Orbit´ ist ja schon gebucht! Genaugenommen sind schon alle Orbite ausgebucht, von ´A´ bis ´Z´, von ´Mars´ bis ´Pluto´ und bis in die fernste Milchstraße! Ich meine, wenn wir eine Art ´milky way ohne Zucker´ anbieten würden, das wäre nochmal ein Hit! Vor allem für die fetten frustrierten Damen und die pickeligen kariösen Teenager!"

"Ohne Zucker. Ohne Zucker. Schnickschnack! Zucker ist nunmal das, was wir verkaufen. Gut gemischt, grandios verpackt, genial getauft. Wir brauchen nur noch einen Taufpaten, meine Herren! Was ist mit Scharp??"

Marketingdirektor Schlindwein fühlte die fragenden Augen seines Vorstandsvorsitzenden und die mitleidigen seiner Kollegen auf sich lasten wie der Zuckerhut und errötete. Dann eröffnete er händeringend: "Scharp macht nicht mehr in Namen!"

"Was soll das heißen? Macht nicht mehr in Namen!" Schlenderhannes schüttelte fassungslos den Kopf. "Scharp ist doch der Inbegriff der Namensfindung! Etwas sperrig vielleicht, aber er ist der Größte. Das Genie der Güterbenennung! Der Cassius Clay der Namenschampions! Der Muhammed Ali der Markenschöpfer! Der Pate der Taufpaten! Der Herr der Namen!! Was soll das heißen? Macht nicht mehr in Namen!"

Schlindwein schluckte. "Er hat jetzt eine höhere Berufung..."

"Eine was? Was gibt es Höheres, als Weltmarken zu kreieren?"

"Sagt er zumindest. Scharp flieht neuerdings die Welt! Er hat sich zurückgezogen. In die Berge! Er schreibt nicht mehr für Markenartikel. Er schreibt jetzt Gedichte!"

"Gedichte?!" fuhr Schlenderhannes Schlindwein und die ganze Bande an. "Was will er sich denn dafür kaufen?"

"Nichts", sagte Schlindwein. "Die kauft ihm sowieso keiner ab, bis auf ein paar defizitäre Zeitschriften für eine Handvoll Versprechungen. Aber soweit ich weiß, ist er saniert!"

"So, so", kratzte sich Schlenderhannes am Schädel. "Saniert. Dann wird er eben ruiniert! Oder überredet und bestochen, bis er für uns arbeitet! Nur schnell muß es gehen... Bis spätestens August muß unser Riegel auf dem Markt sein!"

"Auf mich hört er aber nicht", gab Schlindwein zu bedenken. "Er kennt mich! Er kennt uns alle. Wir sind für ihn nur üble Repräsentanten einer schamlosen Scheinwelt! Morallose Markenverwurster, widerwärtige Wortverhunzer und verdammungswürdige Verbalverführer."

"Ach!" errötete Schlenderhannes und sog die Luft tief ein. "Morallos, widerwärtig und verdammungswürdig!" Er lockerte die Krawatte, um das Blut wieder nach unten strömen zu lassen.

"Markenverwurster, Wortverhunzer und Verbalverführer!" Er knöpfte sich den nicht mehr ganz persilweißen Kragen auf und fächelte sich damit Luft zu. Irritiert fuhren seine Augen über die Gesichter seiner Ergebenen. Keines wagte ein ironisches Grinsen, nicht einmal ein unironisches.

Bis auf eines. "Was ist denn mit Ihnen da hinten", fuhr er den Orbit-Einwender mit den schmalen Schultern an, die schuldbewußt zusammenzuckten. "Kennt er Sie auch? Kennt Scharp Ihren Namen?"

"Nö, sicher nicht", schüttelte der Schmale den Kopf. "Meinen Namen kennt niemand, der sich irgendwie einen Namen gemacht hat. Geschweige denn mit Namen!"

"Wunderbar!" lächelte Schlenderhannes süffisant. "Würden Sie ihn mir trotzdem verraten?"

"Wie? Ach so, ähm..., Schremp, Marketingabteilung der VONWeih AG."

"Die Firma ist mir durchaus bekannt! Würden Sie sich denn zutrauen, Herr Schremp, einen Möchtegernkünstler, der neuerdings die wirkliche Welt flieht, aus dem Orbit der Poesie wieder auf den Boden der bargeldverheißenden Realität zu locken wie..., wie einen Affen vom brotlosen Baum?"

Schremp kratzte sich am Kinn. "Ohne Zucker?" fragte er dann forsch zurück.

"Natürlich mit!" versetzte Schlenderhannes mit Nachdruck. "Ihnen stehen Zweihundert Mille an Honorar zur Verfügung, plus Spesen. Geben Sie dem Affen Zucker!"

"Das hat schon eine gewisse Anziehungskraft", grinste Schremp. "Ich nehme an, daß ich Scharps Fliehkraft damit überwinden kann."


     


 

 
Zum Herrn der
Namen Teil 2