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Aus dem Lebenslauf
eines Fußnotenfetischisten

Gerhard Lawitzky, geboren im badischen Lörrach, lebt seit einigen Jahren in Berlin. Sorglos und glücklich aufgewachsen in den Wipfeln der Wälder von Weil am Rhein, lockte ihn eine gnadenlose Grundschullehrerin mittels "Winnetou I" aus der Welt der wahren Abenteuer unter das trübe Licht seiner Lesefunzel.

Fasziniert von der ersten Fußnote seines Lebens - "Nehmt doch einmal das alte Gun1) da hinten vom Nagel" - verließ er die Bäume für immer - was laut Douglas Adams2) der Menschheit seit jeher als Kardinalfehler angekreidet wird - und verschlang binnen Kurzem sämtliche 60 Karl May-Bände der örtlichen Bibliotheken sowie deren restliche Abenteuerbestände von Edgar Wallace bis Raymond Chandler, setzte nie mehr einen Fuß in den Wald und wurde immer blasser, belesener und bebrillter.

Weitere Fußnoten fand er allerdings erst wieder in wissenschaftlichen Werken, an denen ihn besonders imponierte, daß die Anmerkungen allein schon quantitativ den eigentlichen Text übertrumpften. So beschloß er, Sozial- und Geisteswissenschaften zu belegen, wo sein Fußnotenfetischismus denn auch vollauf befriedigt wurde.

Sein folgender Brot- und Butterjob als Zeitungsredakteur brachte eine kurze Abkühlung in das innige Verhältnis zu Verweisen auf Anmerkungen am Seitenende, und auch die spätere Arbeit als freier Journalist bot den alten Trieben wenig Spielraum, da diese Art von Sprachverbrechern eher dazu neigt, Zusatzinformationen in Relativsätzen zu verstecken, die da lauten "...hat der 17jährige Leimener, der so grandios das Wimbleton-Open für sich verbuchen konnte, hier im 2. Satz aufgrund zweier zweifelhafter Schrittfehler den ersten Aufschlag eingebüßt, was, wie wir den Statistiken entnehmen können, erst dreimal vorgekommen ist seit der sensationellen Niederlage von Ashe bei den Australian Open 19...", woraus wir erkennen können, wie angenehm die Auslagerung von Zusatzinformationen in Fußnoten doch sein kann.

Als Kinderbuchautor kam dann zumindest die alte Lust am Spielen, am Herumtoben, am Blödeln und am Parodieren wieder auf, ohne daß dabei neben zwischenzeiligen Verweisen auch explizite nach unten oder hinten möglich gewesen wären (vgl. "Kasper, König, Räuber"3)).

Mit dem Sprung ins Internet kam dann die erquickende Erfahrung hinzu, daß Fußnoten, die da "Hyperlinks" heißen, gleich auf vollständig neue Informationsquellen stoßen. Nur ergab sich da das Problem, wie man schlichte kurze Anmerkungen zum Text, geschweige denn längere Ausführungen, derart elegant anbringt, dass nicht ständig eine neue Seite geladen werden muss.

So erprobte denn der im Programmieren nicht unerfahrene Autor auf das Geschrei der versammelten verzweifelten Wissenschaftshierarchie hin fünf Modelle von Fußnoten, die durchaus funktionierten. Wer eines davon in seinen Texten auf Web-Pages anwenden möchte, wende sich vertrauensvoll an ihn.

Im folgenden vorliegenden Werk "Der Herr der Namen" wurde die Frage von Fußnoten im WWW m.E. vorbildlich gelöst. Das neue Sujet des pseudoliterarischen Diskurses schrie geradezu nach Fußnoten, und der Autor rief: "Gern, gern, gern." Allerdings erwies sich der pedale Notentrieb bei der Suche nach einem sujetgerechten Veröffentlichungspartner schnell als Pferdefuß: Verweisverwöhnten Verlagen bot der Nonsenstext zu wenig Sinn und Verstand, und für allzu ernsthafte literarische Betriebe hatte die Romanparodie weder Hand noch Fuß.

So wurde denn (ein Teil) des "Herrn der Namen" ins Internet gestellt, bis sich einer der restlichen Verlage mit dem Abdruck von Fußnoten in eher unwissenschaftlichen Werken arrangieren kann. Schließlich konnten sie sich mit Herrn May schon vor über 100 Jahren arrangieren, und der ist eher unfreiwillig komisch.

Das ganze Manuskript gibt es bei Interesse für einen kleinen Kostenbeitrag in die Online-Sparbüchse des Autors als E-Mail, bzw. für ein paar Groschen in das Toner-Sparschwein als Brief, oder gar, für ein paar Mark in die Weizenbier-Gratifikation seines Buchbinders, als solides Lumbeck-Buch zum bequemen Schmökern im Bett oder zum Weiterschenken. Viel Spaß damit. Hope you like it4).

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1) engl.: "Gewehr, Büchse", May, Karl, Winnetou I, Hamburg 19??, S. 13 (Danke, zurück zum Text)
2) Vgl. The Hitchiker´s Guide to the Galaxy, London 1979, S. 6 (Danke, zurück)
3) Elefanten Press Berlin, 1996, ausverkauft; s. aber hier: Kasper, König, Räuber (Danke, zurück)
4) Ich hoffe, es gefällt Ihnen.



 

 
Zum Herrn
der Namen